Selbstzitate

Wie groß ist groß_sm
Wie groß ist groß?
Ebbe
Ebbe

Aus meinem Morgen- und Abendseitenbuch.
Zitate vom August 2012

es poltert hinter den Rippen

Ein bisschen lärmt es schon, mein Herz, wenn ich an übermorgen denke. An die abenteuerliche Autofahrt nach Österreich. Nach Hallstatt. Nach Bad Goisern um genau zu sein, denn dort haben wir uns für eine Nacht in einer Frühstückspension einquartiert. Nach zwölf Nächten auf einer dünnen Matte in Schlafsack und Zelt wird es für Irgendlink sicher schön sein, mal wieder auf einem weichen Bett zu schlafen. Stell ich mir jedenfalls so vor.

Schon morgen oder auf jeden Fall übermorgen – insch’allah – wird der Liebste nach beinahe tausend Kilometern sein Reiseziel erradelt haben. Oh, nein, falsch! So kann man das nun wirklich nicht sagen. Reiseziel meine ich. Das Ziel war schließlich die Reise. Das Bildersammmeln. Das Schreiben von unterwegs. Das Unterwegssein überhaupt. Der Zielort ist nicht mehr und nicht weniger als ein Zielort. Eine vorübergehende Endstation. Eine weitere Station im Leben. Eine temporäre Innehaltestelle. Einfach ein Ort, ein weiterer Ort auf der Lebenslandkarte.

Dennoch: Dieser Ort stand und steht im Fokus von Irgendlinks livegebloggter Reise, denn dort, in Hallstatt, sollen ja demnächst hundertzwanzig auf Keramik gebrannte Bilder – entstanden auf dieser zwölftägigen Reise – in den für die Ewigkeit gebauten Kellern des Memory of Mankind eingepökelt werden. Oder so. Die Duplikate dieser Bilder sind übrigens käuflich (okay, das ist [jetzt auch] ein Werbespot).

Soweit so gut. Mein Herz lärmt, wie ich schon schrieb. Unbekannte, un-erfahrene Strecken jagen mir immer Respekt ein, obwohl ich mich als doch recht routinierte, auch langstreckenerprobte Autofahrerin bezeichnen würde. Aber den Osten der Schweiz sowie Österreich kenne ich nicht wirklich gut. Österreich, zu meiner Schande sei’s gesagt, kenne ich eigentlich überhaupt nicht. Erst zweimal war ich über der Grenze. Und über der Grenze meint genau das. Kurz rüber und wieder zurück. Und jetzt will ich also einfach losfahren, via München und Salzburg ins Salzkammergut. Herzklopfen, lautes, wie gesagt.

Die Vorfreude ist es auch, natürlich, die meinen blutigen Pumpmuskel zappeln lässt. Endlich Irgendlink – statt am Telefon zu hören oder in zig Viber-SMSen zu lesen – live zu erleben, ist eben einfach anders. Ein Unterschied wie zwischen Tiefkühlpizza und selbstgemachter. Wie zwischen Sonne im Fotoalbum und Sonne in echt. Wie zwischen Internet und echtem Leben. Ungefähr.

Da kann es schon mal vorkommen, dass wir ein bisschen spinnen beim Simsen.

Manchmal kommt man über den Südpol zum Nordpol, schreibe ich heute Morgen im Zug zur Arbeit. Und über den Ostpol zum Westpol, denke ich.
Oder über Chieming nach Salzburg!, schreibt er.
Umwege sind häufiger als Abkürzungen. Mein Wort zum Tag, schreibe ich in Olten.
Wenn Apple die Klobürste erfunden hätte, wäre deren Benutzung selbsterklärend, schreibt er. Noch später. Vermutlich auf einer Toilette. Keine weiteren Angaben.
Optimal – schön kühl, schreibt er von unterwegs. Da ist es bereits Nachmittag und bei ihm regnet es wohl ein wenig.
Optimal ist doch optimal, tippe ich schnell im Büro nach Nordost.

Jetzt aber fertig … weitere intime und geistreiche Zitate erspare ich euch gerne. Besser so.

Besser noch ich hau mich jetzt mit Buch ins Bett, auf dass das polternde Herz zur Ruhe kommen möge.

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Mehr über Irgendlinks aktuelles Projekt „Bilder für die Ewigkeit“ auf seinem Blog irgendlink.de und auf der Projektseite (hier klicken).

Rupert oder warum wir sehen, was wir wollen

Neulich habe ich den fünften Band der Galaxis-Trilogie von Doug Adams in die Finger bekommen und verschlungen. Das letzte Buch der Serie: Einmal Rupert und zurück. Das erste habe ich schon vor einiger Zeit gelesen und die drei mittendrin noch gar nicht. Was ich aber sicher nachholen werde.

douglas-adams-einmal-rupert-und-zuruck

Nein, warum Doug Adams‘ Bücher Kult sind, muss nicht erklärt werden, nur warum ich diese Geschichten so mag. Mich begeistert die geniale Mischung aus traditionellem englischem Lebensstil inklusive dazugehörigem knochentrockenem Humor, einem großen Quäntchen Lebensweisheit und diesem genial-schrägen Mix voller Außerirdikum. Einem sehr schrägen Mix, der mir außerordentlich gut gefällt – und das mir, die ich mit dem üblichen Sciencefiction-Kram sonst nichts am Hut habe.

Arthur Dent sucht im ersten Drittel des 5. Buches mal wieder seinen verschollenen Heimatplaneten und schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Universum durch. Er landet schließlich auf einem der Erde ähnlichen Planeten, wo er, so verheißt es der Reiseprospekt, bei einem der vielen Weisen seinen persönlichen Ratschlag erhalten kann. Er findet nach einiger Suche eine alte Frau, die in einer stinkenden Höhle lebt und sich mit Fliegenklatschen die Zeit vertreibt. Alles stinkt und wäre Arthur nicht so sehr auf einen Tipp angewiesen, wie er den Rest seines Lebens irgendwie und irgendwo gut und sinnvoll leben kann, hätte er wohl aufgegeben. Er spricht sie zögerlich an. Sie bittet ihn – im Gegenzug für einen Ratschlag – darum, ihr dabei zu helfen, ihren Solardrucker aus der Höhle an die Sonne zu tragen. Danach druckt sie einen längeren Text für ihn aus und überreicht ihm diesen.

„Das wäre, ähm, wäre dann ihr Rat, ja?“, sagte Arthur, unsicher in den Kopien blätternd.
„Nein“, sagte die alte Dame. „Das ist meine Lebensgeschichte. Um die Qualität irgendwelcher Ratschläge, die man von irgendwem kriegt, richtig beurteilen zu können, muss man nämliche wissen, wie der Lebenslauf des Ratgebers aussieht. Also, beim Durchblättern dieser Unterlagen werden Sie sehen, dass ich alle bedeutenden Entscheidungen unterstrichen habe, um sie hervorzuheben. Sind außerdem alle in einem eigenen Verzeichnis ausgeführt und mit Kreuzverweisen versehen. Sehen Sie? Und ich rate Ihnen grundsätzlich nur Entscheidungen zu treffen, die das genaue Gegenteil von denen sind, die ich getroffen habe, weil sie dann wahrscheinlich Ihren Lebensabend …“ Sie verstummte kurz und füllt ihre Lungen mit Luft, um ordentlich brüllen zu können. „… nicht in einer stinkenden alten Höhle wie der hier verbringen müssen!“

(S. 112/113)

Später überlebt Arthur einen Raumschiffabsturz und wird Sandwichmacher auf einem Planeten, der ungefähr dem evolutionären Level unseres Mittelalters entspricht. Eines Tages, Arthur hat sich gut eingelebt, erscheint Trillian, die Weltraumjournalistin, die er bereits im ersten Band kennengelernt hat. Sie stammt ebenfalls von der verschwundenen Erde und bringt ihm, aus Sicherheitsgründen, ihre gemeinsame Tochter, von der Arthur Dent keine Ahnung hatte. Wie auch, denn das Mädchen hat Trillian mit Samen aus der Samenbank gezeugt, wo Arthur Dent – um seine vielen Raumschifffahrten bezahlen zu können –, argolos Samen hinterlegt hatte. Nun soll er seine Vaterpflichten erfüllen, denn bei ihm ist das Mädchen sicherer als bei der immer reisenden Mutter. Natürlich ist es dem Teeniegirl Random, von ihrer Mutter verlassen worden und bisher an Space und Speed gewohnt, im mittelalterlichen Dorf sehr bald langweilig. Eines Tages findet sie ein Paket, das ihr Vater Arthur für seinen alten Kumpel Prefect Ford aufbewahren soll. Sie packt es heimlich aus und findet darin eine neue, von den Vogonen hergestellte und manipulierte Version des guten alten interaktiven Reiseführers durch die Galaxis, den wir bereits im Band 1 kennenlernten. Der neue Führer manifestiert sich als allmächtiger Vogel. Hören wir doch einfach einmal zu, wie die beiden nachts in einer abgelegenen Höhle miteinander diskutieren. Es regnet und der Vogel-Führer lässt Licht in die Tropfen strahlen.

„Und was siehst du jetzt?“
Das Licht ging aus.
„Nichts.“
„Dabei tue ich genau das gleich wie vorher, nur mit ultraviolettem Licht. Du kannst es nicht sehen.“
„Und was soll das für einen Sinn haben, mir was zu zeigen, was ich nicht sehen kann?“
„Nur den, dir eines begreiflich zu machen, nämlich selbst wenn man etwas sieht, bedeutet das noch keineswegs, dass es auch tatsächlich vorhanden ist. Und wenn man etwas nicht sieht, bedeutet das keineswegs, dass es nicht vorhanden ist. Du siehst lediglich, was deine Sinne dich erkennen lassen.“

S. 204/205

Viel Spaß beim Selbstlesen!